Navigation und Service

"Gute Bedingungen für billigen Sprit"

Datum 14.07.2014

Der Präsident des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt, im Gespräch mit dem Magazin Focus über die Meldepflicht für Tankstellen, die den Wettbewerb stärkt und die Preise sinken lässt.

Focus: Ist das Benzin in Deutschland teurer, als es sein müsste?

Mundt: Viele Faktoren haben Einfluss auf den Benzinpreis. Enthalten sind etwa der Rohölpreis, der Großhandelspreis, die Energiesteuer und die Umsatzsteuer. Salopp gesagt: Wenn in den USA die Raffineriekapazitäten knapp sind, steigt in Prüm in der Eifel der Benzinpreis. Darauf hat das Kartellamt keinen Einfluss. Wir haben uns bislang intensiv mit der Handelsmarge, also den Gewinnen an der Tankstelle, befasst. Dort gibt es ein Oligopol und einen schwach ausgeprägten Wettbewerb.

Focus: Schafft die Markttransparenzstelle Abhilfe?

Mundt: Da, wo es freie Tankstellen oder günstige Supermarkttankstellen gibt, sind die Preise insgesamt niedriger. Das ist ein Effekt. der sich nun verstärken könnte.

Focus: Bedienen sich die Mineralölkonzerne auch bei den neuen Daten, und wird es ihnen nun sogar leichter gemacht, ihre Preise im Gleichschritt anzupassen?

Mundt: Die Mineralölunternehmen hatten bereits in der Vergangenheit ein ausgeklügeltes System der Preisbeobachtung und Meldung an die Konzernzentralen.

Focus: Die Preise schwanken derzeit enorm stark. Hat die Transparenzsstelle dazu beigetragen?

Mundt: Das wissen wir noch nicht. Bis jetzt liegen uns dazu noch nicht genügend Zahlen vor. Aber: Schon vor Einführung der Transparenzstelle haben die Preisschwankungen zugenommen.

Focus: Was tut das Bundeskartellamt noch, um die Spritpreise zu kontrollieren?

Mundt: Es laufen Untersuchungen wegen etwaiger Behinderungsstrategien. Es gibt immer mal wieder Beschwerden, dass die großen Mineralölkonzerne ihr Raffineriebenzin teurer an Mittelständler verkaufen, als sie es an den eigenen Tankstellen anbieten.

Focus: Benachteiligt die Transparenzstelle gerade die kleinen Tankstellen, die von der Meldepflicht ausgenommen sind und in keiner der Tank-Apps und Web-Seiten auftauchen?

Mundt: Die kleineren Tankstellen haben erkannt, dass dieses Instrument nicht zu einem bürokratischen Monster geworden ist, wie einige befürchtet haben. Gerade sie sind häufig günstiger und sollten von mehr Transparenz profitieren.

Focus: Im europäischen Vergleich ist der deutsche Nettobenzinpreis, also ohne Steuern, relativ billig. Sind Sie mit Ihrer Arbeit zufrieden?

Mundt: Der Vergleich hinkt. Deutschland hat eine sehr günstige Lage, was den Transport und die Anbindung an Raffinerien betrifft. Außerdem haben wir sehr große Tankstellen mit hohen Umsätzen. Das sind gute Bedingungen für einen niedrigen Spritpreis.

Das Interview führte André Weikard.