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"Ich ärgere mich über jedes Kartell"

Datum 01.10.2013

Der Präsident des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt, im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin €uro über die Aufdeckung von Kartellen.

Seit 2009 ist Andreas Mundt Deutschlands oberster Wettbewerbshüter. Im Interview mit €uro erklärt er, warum in letzter Zeit so viele Kartelle auffliegen.

€uro: Herr Mundt, in den vergangenen Jahren sind viele Kartelle aufgeflogen. Gibt es mehr Kartelle oder ist das Bundeskartellamt erfolgreicher?

Mundt: Ob es tatsächlich mehr Kartelle gibt als früher, lässt sich kaum beantworten, da niemand die Dunkelziffer kennt. Fakt ist, dass wir in den vergangenen Jahren deutlich mehr Kartelle aufgedeckt und sanktioniert haben als früher.

€uro: Woran liegt das?

Mundt: Wir sind in der Kartellverfolgung schlagkräftiger geworden. Wir haben eine Sonderkommission Kartellbekämpfung und drei spezialisierte Abteilungen eingerichtet. Außerdem erweist sich die Kronzeugenregelung als sehr erfolgreich. Ihr verdanken wir mehr als die Hälfte der aufgedeckten Fälle.

€uro: Wie funktioniert diese Regelung ?

Mundt: Dem Ersten, der uns Hinweise auf ein Kartell gibt, wird die gesamte Strafe erlassen. Dem Zweiten nur noch maximal 50 Prozent. Für Mitglieder eines Kartells ist der Anreiz groß, als Erster zu uns zu kommen, denn die Strafen bewegen sich mitunter in dreistelliger Millionenhöhe

€uro: Sind manche Branchen oder Produkte besonders anfällig für Kartelle?

Mundt: Wir hatten zuletzt Absprachen in so unterschiedlichen Branchen wie Tondachziegel, Brillengläser, Zement, Dekopapier, Süßwaren und Schienen — da kann ich kein Muster erkennen.

€uro: Gibt es Fälle, über die Sie sich besonders ärgern?

Mundt: Ich finde jedes Kartell schlimm. Denn dem Kunden wird eine Wahlfreiheit vorgetäuscht, die er eigentlich nicht hat. Nehmen Sie nur das Kartell bei Feuerwehrfahrzeugen. Da wurden über Jahrzehnte Kommunen und damit Steuerzahler geschädigt. So etwas ärgert mich.

Das Gespräch führte Sabine Gussbeth.

Quelle: €uro (Ausgabe 10/2013).